"Heute wirst Du mit mir im Paradies sein" | nikolaushueck blog

"Heute wirst Du mit mir im Paradies sein"

Meditation zu Lukas 23,43 im Gottesdienst "Tre ore" am Karfreitag, 3. April 2026 in der Dreifaltigkeitskirche Augsburg Göggingen

Eintrag vom

Einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!
Da antwortete der andere, wies ihn zurecht und sprach:
Fürchtest du nicht einmal Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.

Auf Golgatha werden drei sehr verschiedene Menschen gekreuzigt.
Gemeinsam ist ihnen in dieser Stunde nur der Schmerz, die Atemnot, die Qual.
Und das Wissen, dass es nicht mehr lange dauern wird bis zu ihrem Tod. Ansonsten sind die drei grundverschieden.

In der Mitte Jesus:
Ihn hat man gekreuzigt, weil er den Menschen zu radikal war.
Seine Nähe zu Gott war zu radikal.
Das, was er von Gottes Liebe gesagt hat, war zu radikal.
Und wie er die Liebe seines Vaters für alle Menschen verkündet hat, wirklich für alle, das war ihnen auch zu radikal.
Dass Gott auch die Verbrecher und die Verlorenen, die Aussätzigen und die Gefallenen lieben soll,
das war den Gesetzestreuen und den Angesehenen mehr als nur ein Dorn im Auge.

Rechts und links von Jesus hingen zwei,
die genau zu diesen Gefallenen und Verstoßenen gehörten.
Zwei Übeltäter, wie es bei Lukas heißt.

Auch diese beiden sind sehr verschieden.
Einer kann es selbst im Tod nicht lassen:
Noch mit erstickender Stimme macht er sich über Jesus lustig.
Steig halt runter vom Kreuz, wenn Du der Christus bist.
Hilf Dir selbst - und dann hilf auch uns hier raus - für Dich als Christus müsste das doch eigentlich ein Kinderspiel sein.

So spöttelt er, während er schon gegen die unerträglichen Schmerzen der Kreuzigung und vielleicht auch seine Angst ankämpft.
Ein Zyniker, selbst im Anblick des Todes.

Ganz anders der zweite der beiden Übeltäter.
Sein Vorleben war vermutlich kein Bisschen besser als das seines Kollegen.
Aber jetzt, ganz am Ende, den nahen Tod vor Augen, da begreift er etwas.
Schnell bringt er seinen Kollegen zum Schweigen.

Und dann legt er so etwas wie eine Beichte in Kurzform ab:
Ja, ich habe das hier verdient, sagt er.
Ich weiß, was ich getan habe, das war falsch.
Und ich weiß auch, dass wir jetzt die gerechte Strafe dafür empfangen.

Auch er bittet Jesus um Hilfe.
Aber ganz anders.
Nicht spöttisch, sondern vertrauensvoll.
Nicht zynisch, sondern von ganzem Herzen:
Denk an mich, Jesus, wenn Du bei Deinem Vater bist.
Leg für mich ein gutes Wort ein - trotz allem, was ich in meinem Leben getan habe.

Und Jesus?
Auch er ist ja mit seinen Kräften am Ende.
Auch er hält die Schmerzen kaum mehr aus.
Auch er kann vor Atemnot kaum mehr sprechen.

Aber die Liebe, die er immer noch in sich spürt,
die Liebe ist stärker als aller Schmerz.
Und stärker als alle Todesangst:
Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.

Heute, sagt Jesus.
Nicht: Da kommt erstmal das Fegefeuer.
Und überhaupt: Stell Dich hinten an, erst kommen die Guten dran.
Heute, sagt Jesus, nicht: irgendwann vielleicht mal.

Im Paradies, sagt Jesus.
Nicht: Warten wir das Gericht ab, dann werden wir sehen, wo du landest.
Ob Paradies, ob Hölle, versprechen kann ich dir nichts.
Paradies, sagt Jesus: Nicht Gericht.

Aber Jesus sagt auch nicht: Jetzt sofort.
Diese letzten Stunden voll Qualen und Schmerzen,
die kann Jesus ihm genauso wenig ersparen wie sich selbst.

Trotzdem, und das ist sicher das Entscheidende:
Die Angst vor dem Tod.
Die Angst vor dem, was danach auf ihn wartet,
die kann Jesus ihm nehmen.
Nicht weil dieser Übeltäter schon immer so fromm war.
Nicht weil er ein so guter Mensch gewesen wäre.
Allein deshalb, weil er jetzt, in der Stunde des Todes, auf ihn vertraut.
Was für ein unfassbares Geschenk!

Gott, das wünsche ich mir auch für mich selbst, wenn ich einmal sterbe:
Dass ich dann diese Stimme hören kann und ihr vertraue:
Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.