Die Szene kennen Sie alle.
Sie spielt beim Metzger, es kann aber auch ebensogut der Bäcker oder irgendein anderes Geschäft sein.
Der junge Vater mit seinem dreijährigen Kind steht an der Theke
und sucht gerade in seinem Geldbeutel nach Kleingeld.
Da fragt die Verkäuferin den Dreijährigen:
"Und, magst a Radl Wurscht?".
Der Bub traut sich zwar nicht so recht, der Verkäuferin ins Gesicht zu schauen.
Er streckt aber seinen Arm aus, weil:
Die Gelbwurscht, von der will er schon etwas.
Klar, er bekommt eine extra dicke Scheibe.


Unser Predigttext für heute ist ziemlich kurz.
Und ziemlich schräg.
Und verblüffend.
Er stößt vor den Kopf.
Und das ist Absicht, glaube ich.

Unser Predigttext ist eine Bitte und eine Antwort.
Die Bitte kommt von den Aposteln.
Und die Antwort gibt Jesus.

Beides hat eine Vorgeschichte.
Jesus hatte seinen Aposteln eingeschärft, was sie tun sollen, wenn sie glauben.
Sie sollen sich nicht verführen lassen, hat Jesus gesagt.
Vor allem hat er ihnen gesagt, dass sie sich gegenseitig vergeben sollen.
Nicht einmal, nicht zweimal.
Sie sollen immer wieder vergeben.
Wenn's sein muss sieben Mal an einem Tag.


Früher war alles besser. Oder?

Früher war mehr Lametta, sagt schon Loriot.
Früher, da waren die Winter kälter, und es hat natürlich auch viel mehr geschneit.
Und die Sommer waren noch echte Sommer, mit Hitzefrei, Freibad und natürlich Eiscreme.
Nicht so wie heute, wo die Winter warm sind und die Sommer regnerisch.
Früher waren die Leute rücksichtsvoller.
Früher war man überhaupt anständiger.
Und früher waren die Kirchen voller und die Menschen frömmer.
Oder?


Jesus sprach: Wer diese meine Rede hört und tut sie,
der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.
Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.
Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht,
der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute.
Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.


Zu Jesus kamen alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören.
Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen:
Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.
Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:
Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet?
Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude.
Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen:
Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.
Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.
Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet?
Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte.
So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.


Den Predigttext für heute kennen vermutlich die allermeisten von Ihnen.
Aus dem Kindergottesdienst. Oder aus dem Religionsunterricht.
Es geht um den Turmbau zu Babel.
Also um die Geschichte von den Menschen, die ein mächtiges Bauwerk errichten wollen.
Und von Gott, der aus dem Himmel herunterfährt, um das zu verhindern.
Am Schluss zerstreut Gott die Menschen in alle Winde.
Und er sorgt dafür, dass sie ab jetzt unterschiedliche Sprachen sprechen.

Ich lese aus dem 1. Buch Mose, Kapitel 11:

Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache.
Als sie nun von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! – und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel und sprachen:
Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut über die ganze Erde.
Da fuhr der HERR hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten.
Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe!
So zerstreute sie der HERR von dort über die ganze Erde, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen.
Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Welt Sprache und sie von dort zerstreut hat über die ganze Erde.


Der Predigttext führt uns heute nach Athen,
auf den Spuren des Apostels Paulus.
Und er führt uns nach Augsburg, genau heute.
Fangen wir mit Athen an:
Athen war zur Zeit des Apostel Paulus nicht mehr mächtig,
aber immer noch voller Geist.
Eine selbstbewusste Stadt.
Man ist gewohnt, dass neue Lehren auftauchen
Und man ist Streiten gewohnt.
Die vielen Götterstatuen machen es vor.
Im griechischen Götterhimmel ging es ja auch alles andere als friedlich zu.
Eine neue Lehre, ein neuer Gott: Das ist noch lange kein Grund zur Aufregung.
Wer hier spricht - der muss überhaupt erst einmal erreichen, dass die Menschen ihm zuhören. Vielleicht ist das gart nicht so viel anders als bei uns heute. Wenn wir von unserem Glauben sprechen, treffen wir ja viel weniger auf Widerstand als früher. Dafür viel mehr auf pures Desinteresse.

Aber Paulus spricht so, dass man ihm zuhört.
Was er von einem gewissen Jesus Christus und dessen Auferstehung sagt, das ist so ungewöhnlich, dass die Athener neugierig werden.
Sie bitten ihn, das ausführlicher zu erzählen.
So steht also Paulus auf dem berühmten Areopag.
Dort, wo das geistige Herz der Stadt schlägt.
Er schaut in eine Menge von neugierigen, skeptischen, vielleicht auch ein bisschen spöttischen Gesichtern.


So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat
und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer,
Gott zu einem lieblichen Geruch.
Denn ihr wart früher Finsternis;
nun aber seid ihr Licht in dem Herrn.
Wandelt als Kinder des Lichts;
die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.
und prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist.