Zwei Texte haben wir heute morgen gehört:
Die Erzählung von Kain und Abel.
Und die Geschichte vom Barmherzigen Samariter,
die Jesus dem Schriftgelehrten erzählt.
Zwei Texte, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Und die doch direkt etwas miteinander zu tun haben.

In meinen Ohren gibt die eine Geschichte die Antwort auf die Frage der anderen.
„Soll ich meines Bruders Hüter sein?“, fragt Kain.
Und Jesus antwortet genau auf diese Frage:
„Ja, das sollst Du“.
Und nicht nur der Hüter deines Bruders.
Auch deiner Schwester, deiner Familie, der Menschen, die um dich herum sind.
Und noch weiter: Auch die, die weit weg wohnen, die womöglich sogar einem anderen Volk angehören, auch die haben ein Recht auf Deinen Schutz und Deine Hilfe, wenn sie in Not geraten. Auch deren Hüter sollst Du sein - so wie der Samariter sich zur Hilfe an dem Menschen verpflichtet gefühlt hat, der auf dem Weg nach Jericho unter die Räuber gefallen war.

Aber diese Antwort, die Jesus gegeben hat, findet viel zu selten Gehör.
Vielleicht muss man sogar sagen:
Wir, auch wir, die wir diese Antwort Jesu kennen,
stellen trotzdem weiterhin die Frage, die Kain stellt:
Und wir handeln eher so wie Kain.
Und eher weniger so wie der Samariter.
Nein, wir morden nicht.
Wir erschlagen niemanden.
Aber den Neid Kains,
die Missgunst, das Gefühl, zu kurz zu kommen,
das alles kennen wir gut.


Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus,
der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.
Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war,
dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten;
in seiner Liebe hat er uns dazu vorherbestimmt,
seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens,
zum Lob seiner herrlichen Gnade,
mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten.
In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden,
nach dem Reichtum seiner Gnade, die er uns reichlich hat widerfahren lassen
in aller Weisheit und Klugheit.
Denn Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss,
den er zuvor in Christus gefasst hatte,
um ihn auszuführen, wenn die Zeit erfüllt wäre,
dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist.
In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden,
die wir dazu vorherbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt,
nach dem Ratschluss seines Willens;
damit wir zum Lob seiner Herrlichkeit leben,
die wir zuvor auf Christus gehofft haben.
In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt,
nämlich das Evangelium von eurer Rettung –
in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet,
versiegelt worden mit dem heiligen Geist, der verheißen ist,
welcher ist das Unterpfand unsres Erbes,
zu unsrer Erlösung,
dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit.


Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt,
sondern den Geist aus Gott,
dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist.

Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann,
sondern mit Worten, die der Geist lehrt,
und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen.

Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist;
es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen;
denn es muss geistlich beurteilt werden.

Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von niemandem beurteilt.
Denn „wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen“?
Wir aber haben Christi Sinn.


Spüren Sie noch etwas?
Ich meine Ostern -

Spüren Sie noch etwas von der Stimmung in der Osternacht?
Am Ostermorgen?
Von der unbändigen Freude, die wir da gefeiert haben.
Von der Freude darüber, dass unsere Welt nicht im Dunklen bleiben muss.
Dass etwas hereingebrochen ist in unsere Welt, und sie niemals mehr die gleiche sein wird.
Seit damals, als Gott Jesus Christus von den Toten auferweckt hat?


Der heutige Predigttext mutet uns eine auf den ersten Blick reichlich fremde und altertümliche Geschichte zu. Eine Geschichte vom Volk Israel in der Wüste.
Von Schlangen und einem wundersamen Gegenmittel gegen ihr Gift.

Auf den ersten Blick fremd sage ich, nur auf den ersten Blick fremd. Ich glaube tatsächlich, dass sich unter den alten Bildern und Vorstellungen eine ganze Menge von dem verbirgt, was uns Heutigen nur allzu bekannt ist.
Wir würden, wenn wir davon erzählen, heute vermutlich andere Bilder verwenden.
Aber es tut ganz gut, sich das, was uns derzeit beschäftigt, einmal ein wenig verfremdet anzuhören: in den Bildern, die die Menschen in einem anderen Erdteil vor über 2000 Jahren verwendet haben. Und darin uns heute erkennen.
Eine Form von biblischem Verfremdungseffekt also.


So spricht der Herr:

Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie

und mag eure Versammlungen nicht riechen.

Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer opfert,
so habe ich kein Gefallen daran
und mag auch eure fetten Dankopfer nicht ansehen.

Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder;

denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören!

Es ströme aber das Recht wie Wasser

und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.