Spüren Sie noch etwas?
Ich meine Ostern -

Spüren Sie noch etwas von der Stimmung in der Osternacht?
Am Ostermorgen?
Von der unbändigen Freude, die wir da gefeiert haben.
Von der Freude darüber, dass unsere Welt nicht im Dunklen bleiben muss.
Dass etwas hereingebrochen ist in unsere Welt, und sie niemals mehr die gleiche sein wird.
Seit damals, als Gott Jesus Christus von den Toten auferweckt hat?


Der heutige Predigttext mutet uns eine auf den ersten Blick reichlich fremde und altertümliche Geschichte zu. Eine Geschichte vom Volk Israel in der Wüste.
Von Schlangen und einem wundersamen Gegenmittel gegen ihr Gift.

Auf den ersten Blick fremd sage ich, nur auf den ersten Blick fremd. Ich glaube tatsächlich, dass sich unter den alten Bildern und Vorstellungen eine ganze Menge von dem verbirgt, was uns Heutigen nur allzu bekannt ist.
Wir würden, wenn wir davon erzählen, heute vermutlich andere Bilder verwenden.
Aber es tut ganz gut, sich das, was uns derzeit beschäftigt, einmal ein wenig verfremdet anzuhören: in den Bildern, die die Menschen in einem anderen Erdteil vor über 2000 Jahren verwendet haben. Und darin uns heute erkennen.
Eine Form von biblischem Verfremdungseffekt also.


So spricht der Herr:

Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie

und mag eure Versammlungen nicht riechen.

Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer opfert,
so habe ich kein Gefallen daran
und mag auch eure fetten Dankopfer nicht ansehen.

Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder;

denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören!

Es ströme aber das Recht wie Wasser

und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.


Einer aus der Menge sagte zu Jesus: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist.
Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten's nicht. 
Jesus antwortete und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir! Und sie brachten ihn zu ihm.
Und sogleich, als ihn der Geist sah, riss er ihn. Und er fiel auf die Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund. 
Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist's, dass ihm das widerfährt?
Er sprach: Von Kind auf. Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, dass er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! 
Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst - alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.
Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! 
Als nun Jesus sah, dass das Volk herbeilief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn hinein! 
Da schrie er und riss ihn sehr und fuhr aus. Und der Knabe lag da wie tot, so dass die Menge sagte: Er ist tot. Jesus aber ergriff ihn bei der Hand und richtete ihn auf, und er stand auf.


Warum kann es nicht immer so sein, wie es uns das Evangelium [Joh 6,1-15, Die Speisung der Vielen] erzählt?
Egal, wie groß die Menge ist -
Egal, was für Menschen da zusammenkommen -
Egal, wie stark der Hunger nagt:
Alle werden satt.
Niemand muss hungern, es reicht wirklich für jeden.
Und es bleibt sogar noch eine Menge übrig,
als Beweis dafür, wie groß das Wunder ist.
Vielleicht auch als Wegzehrung für den Heimweg.


Die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der Herr gemacht hatte, und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten?
Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet!
Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.


„Lobt Gott, ihr Christen, alle gleich.“
Manchmal muss man gegen die Wirklichkeit ansingen.
Manchmal muss man singen, obwohl einem eigentlich gar nicht danach zumute ist.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht,
aber in diesen Tagen tue ich mich schwer mit dem Singen.
Selbst mit den Weihnachtsliedern, die ich so gern mag, tue ich mich schwer.
Und mit dem Gott loben erst recht.


Wenn es draußen novembrig trüb wird,
dann kommt in der Kirche zur Sprache,
was wir uns den Rest des Jahres ganz gerne vom Hals halten, soweit wie eben möglich.

Tod, Sterben und Gericht,
das sind die Themen der letzten Sonntage im Kirchenjahr.
Die Themen in der Kirche passen sich dem Novembergrau an.
Die Natur bereitet sich auf’s Sterben vor - und auch wir Kirchenbesucher bekommen unsere Endlichkeit vor Augen geführt.