Zwei Texte haben wir heute morgen gehört:
Die Erzählung von Kain und Abel.
Und die Geschichte vom Barmherzigen Samariter,
die Jesus dem Schriftgelehrten erzählt.
Zwei Texte, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Und die doch direkt etwas miteinander zu tun haben.
In meinen Ohren gibt die eine Geschichte die Antwort auf die Frage der anderen.
„Soll ich meines Bruders Hüter sein?“, fragt Kain.
Und Jesus antwortet genau auf diese Frage:
„Ja, das sollst Du“.
Und nicht nur der Hüter deines Bruders.
Auch deiner Schwester, deiner Familie, der Menschen, die um dich herum sind.
Und noch weiter: Auch die, die weit weg wohnen, die womöglich sogar einem anderen Volk angehören, auch die haben ein Recht auf Deinen Schutz und Deine Hilfe, wenn sie in Not geraten. Auch deren Hüter sollst Du sein - so wie der Samariter sich zur Hilfe an dem Menschen verpflichtet gefühlt hat, der auf dem Weg nach Jericho unter die Räuber gefallen war.
Aber diese Antwort, die Jesus gegeben hat, findet viel zu selten Gehör.
Vielleicht muss man sogar sagen:
Wir, auch wir, die wir diese Antwort Jesu kennen,
stellen trotzdem weiterhin die Frage, die Kain stellt:
Und wir handeln eher so wie Kain.
Und eher weniger so wie der Samariter.
Nein, wir morden nicht.
Wir erschlagen niemanden.
Aber den Neid Kains,
die Missgunst, das Gefühl, zu kurz zu kommen,
das alles kennen wir gut.
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